Überstunden & Beschäftigung

Über 162.000 NiederösterreicherInnen leisten Überstunden

Rund ein Viertel aller ArbeitnehmerInnen in Niederösterreich leisten regelmäßig Überstunden. Pro Woche kommen sie dabei auf 9 Überstunden. Damit liegt Niederösterreich über dem Österreich-Schnitt von 8,5 Stunden pro Woche.

Die gerechte Verteilung von Arbeit ist angesichts anhaltend hoher Arbeitslosigkeit ein stets diskutiertes Thema. In einer aktuellen Studie geht die NÖ Arbeiterkammer der Frage nach, ob der Abbau von Überstunden zusätzlich Jobs schaffen kann und gerade in Krisenzeiten ein adäquates Mittel darstellt, um Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

Verteuerung von Überstunden schafft Arbeitsplätze

Je mehr Überstunden, desto teurer müssen sie werden. Gleichzeitig müssen die Mindestlöhne steigen - fordert AKNÖ Präsident Hermann Haneder.

Die Studie belegt, dass oft Mehrarbeit in Niedriglohnbranchen geleistet wird, um mehr zu verdienen. Überstunden sollten aber die Ausnahme bleiben wenn es die betrieblichen Umstände verlangen, nicht aber als Instrument für mehr Lohn dienen.

AKNÖ-Modellberechnung

Laut AKNÖ-Modellberechnung würde eine Anhebung des Überstundenzuschlags um 25 Prozentpunkte (Stundenlohn plus 75 Prozent Zuschlag) einen weitreichenden Beschäftigungseffekt mit sich bringen:

Beispiel: Aus drei mach vier

Beispiel Handel: Angenommen wird eine Arbeitszeit von 38,5 Stunden/Woche und Mindestlohn. Leisten drei DienstnehmerInnen jeweils 9,6 Überstunden pro Woche*, kosten bei einem Überstundenzuschlag von 75 Prozent diese drei Arbeitsplätze dem Unternehmen genau so viel wie vier Vollzeitarbeitsplätze ohne Überstundenleistung.

Unter gewissen Umständen sogar bei Anwendung bestehenden Rechts:

Beispiel: Aus zwei mach drei

Beispiel Gastgewerbe: Angenommen wird eine Arbeitszeit von 40 Stunden/Woche und Mindestlohn. Leisten zwei DienstnehmerInnen jeweils 12,8 Überstunden pro Woche*, kosten bei einem gesetzlichen Überstundenzuschlag von 50 Prozent diese beiden Arbeitsplätze dem Unternehmen genau so viel wie zwei Vollzeitarbeitsplätze plus ein Teilzeitarbeitsplatz mit 25 Stunden pro Woche jeweils ohne Überstunden.

*tatsächlich geleisteter Durchschnittswert geleisteter Überstunden in den genannten Branchen laut Statistik Austria

Weg mit All-In-Verträgen

Prinzipiell ist die Abgeltung von Überstunden im Arbeitszeitgesetz klar geregelt. 50 Prozent sind pro geleisteter Überstunde mehr zu zahlen.

Das geltende Arbeitszeitgesetz wurde aber in den letzten Jahren immer mehr durch sogenannte All-In-Verträge unterwandert. Ursprünglich für die flexiblen Anforderungen von Führungskräften gedacht, verfügen mittlerweile bereits über ein Viertel aller herkömmlichen Dienstverträge über einen derartigen Passus und die Tendenz ist steigend.

Die Folge: Es gibt keine klare Abgrenzung mehr zwischen Normal- und Mehrarbeitszeit, trotz Arbeitszeitaufzeichnungen sind geleistete Überstunden nur mehr schwer nachzuvollziehen.

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